Ich habe letztens den neuen Gus Van Sant-Film „Paranoid Park“ gesehen – sehr berührend.
Lasst euch nicht von der Skateboarder-Thematik abschrecken, denn eigentlich geht es in dem Film überhaupt nicht darum. Vielmehr zeigt er, wie ein Jugendlicher an seiner Schuld zerbricht. Der Regisseur hat wirklich ein Gespür für die Themen Jugend und Erwachsenwerden…
Aber eigentlich will ich gar nicht über den Film schreiben, sondern über einen Song, der an einer zentralen Stelle vorkommt und den Gus Van Sant bereits zum zweiten Mal verwendet – auch in „Good Will Hunting“ hat er ihn spielen lassen. Ich rede von Elliott Smiths „Angeles“, einen unglaublich schönen, reduzierten und melancholischen Song. Unbedingt anhören.
Die vierte Staffel rückt voran und im Team des exzentrischen Arztes ist wieder einmal alles offen.
Foreman ist zurück und auch Cameron scheint ihrer Zeit bei House nachzutrauern, einzig Chase – typisch für den Charakter – lässt sich nicht in die Karten schauen. Er macht aber schon mal gemeinsame Sache mit seinem Ex-Chef, wenn es um Wetten geht.
„Mirror, Mirror“: Aufschlussreiche Folge, erfährt man nämlich durch einen Patienten, der unwillkürlich sein Gegenüber bis ins Detail kopiert, allerlei Neues über die Ärzte-Crew. Vor allem, da er sich – wenn mehrere Menschen in seiner Nähe sind – am Stärksten der Gruppe orientiert. Großartig war etwa die Schluss-Szene: Machtkampf zwischen Cuddy und House. House ist noch immer besessen davon, dass Cuddy schwanger wird/werden soll. Er hat ihre Anti-Baby-Pillen ausgetauscht… Die beiden sind meiner Meinung nach das großartigste Nicht-Paar im aktuellen Fernsehen.
„Whatever it takes“: House ist auf einer CIA-Mission, was schon mal für heitere Momente sorgt. Die Entlassung des Ärtze-Ohne-Grenzen-Typs ist eher schlecht gehandhabt: Passt irgendwie nicht so zu seinem Charakter, weil es verkrampft auf seinen Charakter hingeschrieben ist – naja, da waren’s nur noch sechs? Die scharfe CIA-Tante darf ein Zwischenspiel in den House’schen Hallen machen, auch ganz interessant, auch wenn Cuddy-Fans wie ich aufstöhnen mögen: „Nicht schon wieder eine andere Frau!“ House-typisch dürfte es aber nix werden. Beste Szene: House’s Handy klingelt (bester pubertärer Klingelton ever): Wer ruft an? „cut-throat bitch“ – Nein, nicht Cuddy, sondern die ehrgeizige Blonde aus seinem Team.
„Ugly“: Super Folge, House mit einem deformierten 16-Jährigen Patienten und von Hormonwallungen und sexuellem Notstand geplagt – sogar sein Urteilsvermögen ist dadurch getrübt. Zu allem Überfluss wird er noch von einem Kamerateam, das den 16-Jährigen begleitet, regelrecht verfolgt und anschließend TV-tauglich „geschnitten“. Herrliche Szene mit Cuddy und House.
Heute habe ich in Wien David Lynch live gesehen – und ich wurde bitter enttäuscht.
Zuerst sahen wir im Gartnbaukino „Mulholland Drive“. Den hatte ich zwar schon gesehen, aber ich ging trotzdem hin, weil ich nicht riskieren wollte, nach dem Film nicht mehr zur Diskussion ins Kino gehen zu können – Kartenkäufer bevorzugt.
„Mulholland Drive“ hat mir nicht so gut gefallen, wie das erste Mal. Interessanterweise fand ich diesmal die zweite Hälfte (oder der Teil nach dem Öffnen der blauen Box) spannender. Vielleicht war es auch das Warten auf Lynch selber, das mich vom Film ablenkte…
Und dann war er da, live, dieser großartige Regisseur, denn „Twin Peaks“ ganz oben auf meiner Serien-Hitliste steht. Doch was Lynch zu sagen hatte, war auf eine peinliche Weise irritierend… Er sprach ständig von Meditation und wie sie Frieden und „Happiness“ auf die Welt bringen könne. Eine Art Allheilmittel und ich meine wirklich Allheilmittel – jede Frage aus dem Publikum, ob zur Ideenfindung für seine Filme, weltpolitische Themen oder Roy Orbison – ständig ging es ihm nur um Meditation. Das ganze glich einer Art Sekten-Vortrag, der Meister sagt, wie man zur ewigen Glückseligkeit findet.
Das einzige interessante (was nicht ganz so verstören und abstoßend war): Wie kommt Lynch zu seinen Filmideen? Er „fischt“ sie aus seinem Unterbewusstsein (das er auch ablehnt – alles muss ins Bewusstsein). Einzelne Szenen, die sich dann zu einem Ganzen fügen lassen – Brüche bleiben aber.
Diese Diskrepanz zwischen seiner Arbeit und seiner meditationsbedingten Heile-Welt-Fantasie ist ihm aber nicht bewusst.
Naja, ihn zu sehen hat ihn entzaubert (ging mir da ähnlich wie manchmal mit Schauspieler-Interviews). So bald werde ich mir wohl keinen Lynch mehr ansehen können – bis ich „ihn“ verdaut habe. Zum Glück ist es mit Regisseuren aber wie mit Schriftstellern – der Text weiß mehr als der Autor. Der Film weiß (und kann) mehr als der Regisseur.