Zwei Mal habe ich Joe Wrights Literaturverfilmung mit James McAvoy und Keira Knightley im Kino gesehen. Mit sehr unterschiedlichen Eindrücken.
Die Story: Englischer Landsitz in den Dreißiger Jahren. Zwischen der Tochter des Hauses Cecilia und Robbie, dem Sohn der Haushälterin bahnt sich etwas an. Cecilias 13-jährige Schwester Briony schreibt ein Theaterstück. Es ist heiß. Ein Mißverständnis führt dazu, dass Briony in Robbie einen „sexmaniac“ vermutet. Als ihre ältere Cousine vergewaltigt wird, ist sie Zeugin und glaubt, Robbie sei der Täter. Er muss ins Gefängnis, zieht später in den Krieg. Briony muss „Abbitte“ leisten.
Das erste Mal war ich alleine, Originalton in einem kleinen Kino in der Innenstadt von Wien. Das zeitliche Vor- und Zurückspringen, die Neuheit der Story und die unglückliche Liebesgeschichte haben mich wohl von Schwächen des Films abgelenkt. Nich so das zweite Mal (mit einer Freundin, ebenfalls ein kleines Kino in der City von Wien): Eine Szene mit Briony als Krankrenschwester, als sie einem sterbenden Franzosen die Hand hält, macht auch beim zweiten Mal keinen Sinn. Auch die Szene zwischen Robbie und Cecilia in der Cafeteria in London fand ich weniger gelungen als beim ersten Mal. Auch Vanessa Redgraves Auftritt als gealterte Briony – beim ersten Mal hab ich geheult – hat mich weniger beeindruckt…
Vielleicht war es auch die Erwartungshaltung, ich hab die Freundin schließlich ins Kino geschleppt und hinter mir saßen fünf SüdtirolerInnen, die direkt vom Christkindelmarkt kamen.
Bei mir blieben auch nach dem zweiten Mal noch Fragen offen. Dann ich hab mir dann also noch das Buch von Ian McEwan gekauft und reingelesen; ich weiß nicht, ob ich es jetzt lesen werde) und war wieder beeindruckt. Wie genau, wie textgetreu die Verfilmung eigentlich ist, einige der Schwächen (die wiederholte Story am Anfang, dass diese Wiederholung nicht durchgezogen wird) sind auf die Vorlage zurückzuführen.
Fazit: Guter, aber kein sehr guter Film. Ich spekuliere mit einer Oscar-Nominierung für James McAvoy (der in The Last King of Scotland schon ganz großartig war und auch hier die stärkste Performance liefert, naja vielleicht neben Vanessa Redgrave) und für das Beste Adaptierte Drehbuch.
Heute habe ich in Wien David Lynch live gesehen – und ich wurde bitter enttäuscht.
Zuerst sahen wir im Gartnbaukino „Mulholland Drive“. Den hatte ich zwar schon gesehen, aber ich ging trotzdem hin, weil ich nicht riskieren wollte, nach dem Film nicht mehr zur Diskussion ins Kino gehen zu können – Kartenkäufer bevorzugt.
„Mulholland Drive“ hat mir nicht so gut gefallen, wie das erste Mal. Interessanterweise fand ich diesmal die zweite Hälfte (oder der Teil nach dem Öffnen der blauen Box) spannender. Vielleicht war es auch das Warten auf Lynch selber, das mich vom Film ablenkte…
Und dann war er da, live, dieser großartige Regisseur, denn „Twin Peaks“ ganz oben auf meiner Serien-Hitliste steht. Doch was Lynch zu sagen hatte, war auf eine peinliche Weise irritierend… Er sprach ständig von Meditation und wie sie Frieden und „Happiness“ auf die Welt bringen könne. Eine Art Allheilmittel und ich meine wirklich Allheilmittel – jede Frage aus dem Publikum, ob zur Ideenfindung für seine Filme, weltpolitische Themen oder Roy Orbison – ständig ging es ihm nur um Meditation. Das ganze glich einer Art Sekten-Vortrag, der Meister sagt, wie man zur ewigen Glückseligkeit findet.
Das einzige interessante (was nicht ganz so verstören und abstoßend war): Wie kommt Lynch zu seinen Filmideen? Er „fischt“ sie aus seinem Unterbewusstsein (das er auch ablehnt – alles muss ins Bewusstsein). Einzelne Szenen, die sich dann zu einem Ganzen fügen lassen – Brüche bleiben aber.
Diese Diskrepanz zwischen seiner Arbeit und seiner meditationsbedingten Heile-Welt-Fantasie ist ihm aber nicht bewusst.
Naja, ihn zu sehen hat ihn entzaubert (ging mir da ähnlich wie manchmal mit Schauspieler-Interviews). So bald werde ich mir wohl keinen Lynch mehr ansehen können – bis ich „ihn“ verdaut habe. Zum Glück ist es mit Regisseuren aber wie mit Schriftstellern – der Text weiß mehr als der Autor. Der Film weiß (und kann) mehr als der Regisseur.
| yarvis is emotionally distant. |
| I bet no one’s surprised that you never post your current mood. In fact, I bet most of your friends are so sick of you locking them out of your life that they hate you behind your back. Shame. |
Okay, wenn ihr meint… ein computergenerierter Stimmungsbarometer kann nicht falsch liegen, oder?
„Emotionally distant“-Pfh!
Dabei ist heute ein wirklich schöner Abend in Wien – wohl der letzte warme Abend des Jahres, an dem man draußen sitzen kann. Ich war auch mit einer Freundin unterwegs, beim Heurigen in Grinzing. Und habe „Sturm“ – junger, halbgegorener Wein – getrunken. Fährt ganz schön ein, das Zeug.
Und in ORF2 läuft gerade anlässlich des 25. Todestages von Grace Kelly „Das Fenster zum Hof“. Hitchcock! Das erste Mal habe ich den Film im Filmmusem gesehen, in der Originalfassung. Beim Schluss musste sich jemand passenderweise gerade schneutzen und ich ging aus dem Kino, ohne zu wissen, wie der Film ausgeht. Stundenlange Internetrecherchen führten auch nicht zum Ergebnis. Also sah ich mir den Film wieder an, als er – diesmal Deutsch – im Fernsehen lief. Und dann kam die Schlussszene – und meine Mutter rief an. Argh!
Also weiß ich bis heute nicht, wie „Das Fenster zum Hof“ endet. Vielleicht klappt es ja heute – wenn ich vom vielen Sturm nicht zu müde bin.