„The Americans“: Finale von Staffel zwei

Spoiler!

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Ich finde „The Americans“ immens gut (siehe auch voriger Blogeintrag), aber das Finale von Staffel zwei hat mich etwas enttäuscht. Es war also Jared, der Sohn der zwei KGB-Agenten und selbst angehender Spion, der seine Eltern Emmet und Leanne und seine Schwester Amelia ermordet hat. Im Affekt.

Gut, das war eine spannende und durchaus glaubwürdige Auflösung, erinnert mich irgendwie an Filme über Schulmassaker, in denen auch der nette, unauffällige Junge von nebenan plötzlich zum Psychopathen wird. Auch deutet Elizabeths hochsensible Verführung des Navy SEAL (oder ist er einfach nur bei der Armee? Der ihr die Unterlagen beschafft, den meine ich) zu Beginn der Staffel bereits auf diese Auflösung hin. Auch hier bricht ein junger Mann für eine ältere Frau Gesetze, natürlich mit weit weniger gravierenden Folgen. Der Name der Folge, „Echo“ findet auch hier seine Entsprechung.

Das „wie“ indes fand ich schwach. Der blutende Jared liegt am Boden und muss da gefühlt minutenlang einen erklärenden Monolog vor sich hinstammeln, während er sein Leben aushaucht. Mehr Seifenoper als Quality TV, vor allem, da ich finde, weniger hätte es auch getan. Wieso nicht ein „Tell Kate I love her, I’m sorry mum and dad and Amelia and i didn’t mean to hurt you … “ oder so? Den Rest kann man sich eh zusammendenken. Bzw. „Grandma“ hätte die Lücken füllen können. Erklärstücke wie dieses schwächen die Folge insgesamt. Ausserdem endete Larricks für mich noch immer etwas mysteriöser Rachefeldzug enttäuschend einfach.

Vor allem nach den zwei vorigen, aufs Finale hin aufbauenden und daher etwas schwächeren Folgen hätte man sich auf seine Zuseher mehr verlassen können und ihnen die Auflösung nicht am blutbefleckten Silbertablett servieren müssen.

Folglich kommt dieses „Paige soll rekrutiert“ werden mit einem Nachgeschmack daher.

So hat „The Americans“ im Finale von Staffel zwei also etwas geschwächelt, ich will es den Jennings verzeihen, die Drehbuchautoren haben sich wohl schon auf Staffel drei konzentriert. Und die Auflösung oder eher Nichtauflösung der Nina-Storyline war makellos. Wir wussten doch alle, dass Stan Beaman ein Cop ist und kein Spion.

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„The Americans“: Mitgefühl für den KGB

>>> Dieser Text erschien zuerst im Blog „Phänomedial“ auf DiePresse.com

FX-TheAmericans-2_Keri-Matthew-Hallway_0869_865_COMPOSITE_C.jpgAls neues „Homeland“ wurde „The Americans“ anfangs gefeiert. Dabei hat das packende Spionagedrama viel mehr mit „Mad Men“ gemeinsam. Und die Serie wird immer besser.

Feiertagsbedingt fällt in den USA „Game of Thrones“ diese Woche aus. Darum hier kein Episodenblog, sondern ein ausdrücklicher Tipp für eine Serie, mit der man das verlängerte Wochenende verbringen kann: „The Americans“, dessen Finale der zweiten Staffel in den USA gerade ausgestrahlt wurde.

Ausgangsposition ist ein amerikanischer Albtraum, der schon mehrfach Stoff für Filmgeschichten wurde: Die Angst vor den Schläfern von Nebenan.

In „Little Nikita“ erfuhr der junge River Phoenix, dass seine Eltern eigentlich KGB-Agenten sind. In „The Americans“ steht das Schläfer-Paar selbst im Zentrum. Philip und Elizabeth Jennings leben Anfang der 1980er mit ihren unwissenden, aber nicht ganz ahnungslosen Kindern Paige und Henry in einer Vorstadt von Washington, D.C. Sie betreiben ein Reisebüro und Spionage für den KGB. In Folge eins entführen sie einen abtrünnig gewordenen KGB-Agenten, können ihn aber nicht wie geplant abliefern. Während dieser im Kofferraum ihrer Familienkutsche auf seinen Abtransport Richtung Sowjetunion wartet, zieht nebenan ein FBI-Agent ein. Zufall oder wurden sie aufgedeckt?

„The Americans“ wird immer besser

Zu Beginn kommt der Pilot etwa noch gar grell daher, mit einer expliziten Sex-Szene und einer wilden Verfolgungsjagd, die dank der alten Karosserien an Filme aus den 1970ern und 1980ern erinnert. Überzeugt hat mich die Spannung und dieses seltsame Verhältnis zwischen Philip und Elizabeth. Ist ihre Ehe nur Schein oder durchleben sie gerade eine Ehekrise? Wie nah sind sie sich wirklich? Vertrauen sie einander?

Die Schlüsselszene zu diesen Fragen im Piloten untermalten die Macher der Serie selbstbewusst mit Phil Collins‘ Hit „In the Air Tonight“ („Miami Vice“!). Eine Ansage, die durchaus ihre Berechtigung hat. Denn mit zunehmender Dauer wird die Serie immer besser.

Das liegt auch an den Hauptfiguren, großartig und facettenreich verkörpert von Keri Russell und Matthew Rhys. Stereotype Rollenmuster wurden umgedreht: Elizabeth ist die Harte, die Distanzierte, die sich schwer damit tut, ihren „Glauben“ an das Mutterland und den Kommunismus nicht ausleben zu dürfen. Philip der scheinbar Sanfte, Anpassungsfähige, fühlt sich in den USA hingegen weit wohler als er sollte.

Spionagegeschichten geben die Grundkoordinaten vor, wobei die Serie (Serierfinder Joseph Weisberg war selbst bei der CIA) dem Genre noch etwas Neues abgewinnt. Handlungen, bei denen man einen bestimmten Verlauf erwartet, entwickeln sich völlig anders als gedacht. Das gelingt ohne vordergründige, logisch nicht haltbare Plot-Twists. An denen laborierte etwa „Homeland“, mit der die Serie anfangs verglichen wurde.

„Motherland“ oder Familie?

the-americans1„The Americans“ ist schlau konstruiert. Über jeder Folge liegt ein Thema. Vergnüglich, wie sich die Figuren oft (manchmal auch sprichwörtlich) spiegeln. Schein, Schauspielerei und Manipulation spinnen die Geschichten. Auf eine verdrehte Art kann man „The Americans“ auch als ein Drama über die Unterhaltungsbranche selbst verstehen, als Albtraumfabrik-Äquivalent.

Im Grunde genommen geht es in „The Americans“ um Partnerschaft und Familie. Wem sind die Agenten treu? Dem Staat? Sich? Oder den ihren? Damit liegt die Serie näher bei „Mad Men“, diesem großen Drama vor historischer Kulisse, das gerade in seine Finale siebte Staffel geht.

„The Americans“ testet auch die Loyalität der Zuseher. Die Serie feierte im Frühling 2013 Premiere, bevor man wusste, dass der Kalte Krieg nicht ganz so erkaltet war wie gedacht. Durch die Ukrainekrise wirkt die Serie aktueller, und fragwürdiger. Obwohl Philip und Elizabeth auf der Seite der „Bösen“ stehen, fiebert man als Zuseher mit ihnen mit – und fühlt sich beinahe schuldig.

Wenn man (neben den unglaubwürdigen Verjüngungen der Hauptfiguren in Rückblenden) etwas kritisieren möchte, dann, dass die Ideale, die kommunistischen Vorzeichen, bislang wenig herausgearbeitete wurde. Das mag noch kommen, Staffel drei ist fixiert. Vielleicht wird Ideologie darin ein noch stärkeres Thema.

„The Americans“, FX, auf DVD

>> Zu den historischen Details ein hübscher Link (Spoiler): www.vanityfair.com/vf-hollywood/the-americans-real?mbid=social_twitter

 

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„Breaking Bad“-Episodenblog …

… habe ich auch übrigens.

Hier: http://diepresse.com/home/blogs/phaenomedial/index.do

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„Game of Thrones“: Episodenblog zu Staffel 3

Ich blogge zu jeder Folge der aktuellen dritten Staffel von „Game of Thrones“ auf DiePresse.com. Zu finden ist der Blog hier: http://diepresse.com/home/blogs/phaenomedial/index.do

Die neuen Blogeinträge sind üblicherweise Montagabend online.

Viel Spaß beim Lesen! Ich freue mich über Mitdiskutanten 🙂

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„Game of Thrones“: Der Trailer für Staffel 3

Nun ist der erste Trailer also da. Leider nur eine Minute, aber die schraubt meine Erwartungen hoch 🙂 Die Drachen, sie fliegen!

Epic!

Die Stimmen aus dem Off sind:

Die rote Priesterin Melisandre: „Death is coming for everyone and everything. The Darkness that will swallow the dawn“

Catelyn Stark sagt zu ihrem Sohn Robb: „Show them how it feels to lose what they love.“

Teenager-König Joffrey: „Everyone is mine to torment.“ (Im Hinblick auf Joffrey freue mich schon auf eine ganz bestimmte Szene in Staffel drei).

Mance Raydar kündigt an: „I’m going to light the biggest fire the north has ever seen.“

Jorah Mormont: „There is a beast in every man. And it will stir when you put a sword in his hands.“

Lord Varys (der Kastrat) liefert besten Satz: Er eröffnet den Trailer mit „It’s been a long time my old friends.“ Und schließt ihn mit: „The revenge you want will be yours in time.“

Der Song heißt „Bones“ und ist von dem US-Duo MS MR (sprich: Miss Mister), bestehend aus Lizzy Plapinger und Max Hershenow.

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„Game of Thrones“: Teaser für Staffel drei

Ganz kurzer Blogeintrag: Nach dem Raben-Teaser hat HBO am 10. Februar den ersten „richtigen“ Teaser mit Figuren aus „Game of Thrones“ veröffentlicht. Thema: Chaos. „Chaos isn’t a pit. Chaos is a ladder,“ sagt die Stimme von Littlefinger (Aiden Gillen) aus dem Off. „Many who try to climb it fail, never get to try again. The fall breaks them. And some, given a chance to climb, they cling to the realm, or the gods or love. Only the ladder is real. The climb is all there is.“ Zu sehen sind die zunehmend vernarbten Hauptfiguren – von Arya über Cersei bis zu Jon Snow.

Nur noch eineinhalb Monate bis zur US-Premiere.

Hier noch der Raben-Teaser:

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„Girls“ (HBO): Ja, die Serie ist tatsächlich so gut

Ein Emmy, zwei Golden Globes und noch eine Handvoll Trophäen bzw. Nominierungen für wichtige TV-Preise hat die HBO-Serie „Girls“ jüngst abgeholt. Die Kritiker überschlagen sich fast mit Lob, kaum eine aktuellere Bestenliste kommt ohne sie aus und auch die Fans lieben „Girls“. Menschen wie mich macht so ein Hype ja skeptisch. Aber am besten man bildet sich selbst sein Urteil, oder? Und so haben der Co und ich vor zwei Wochen mit der ersten Staffel „Girls“ angefangen. Er war erst wenig begeistert von meinem Feierabendvorschlag, allein der Name der Serie zielt nicht unbedingt auf männliches Publikum ab. Doch schon nach Folge eins war er begeistert. Und nach Folge zwei waren wir beide Fans.

hbos-girlsDie Serie kreist um fünf Freundinnen Anfang/Mitte zwanzig in New York, genauer gesagt in Brooklyn, im Mittelpunkt steht Hannah Horvath (Lena Dunham), klein, mollig, selbstbewusst und doch unsicher, folglich weird und angehende Schriftstellerin. Sie lebt mit der ungewollt konservativen und total hübschen Galerien-Mitarbeiterin Marnie (Allison Williams) zusammen. Zu ihren besten Freundinnen gehört die betont coole und sexy Britin Jessa (Jemima Kirke), die bei ihrer Cousine Shoshanna (Zosia Mamet), Jungfrau und Schnellrednerin, wohnt. Klar, da gibt es auch Jungs oder Männer, etwa Hannahs Liebhaber Adam (Adam Driver) oder Marnies Freund Charlie (Christopher Abbott).

Autorin/Regisseurin/Hauptdarstellerin Dunham gelingt es jedenfalls, ein Lebensgefühl einzufangen, das ich (obwohl inzwischen den 30. Geburtstag überschritten) gut kenne. So beginnt die Serie damit, dass Hannahs Eltern ihr die finanziellen Zuwendungen streichen. Als Dauerpraktikantin in einem Verlag verdient sie selbst kein Geld. „All my friends get help from their parents“, sagt Hannah. Jep. Das ist in der „Generation Praktikum“ durchaus üblich, dass die Eltern die Miete oder die Versicherung zahlen, oder zumindest den Urlaub mitsponsern, oder? In „Girls“ folgt auf die elterliche Ankündigung „No more money“ kein trister Überlebenskampf, sondern irgendwie wurschtelt sich Hannah schon durch. Überhaupt: Alle Figuren sind permament mehr oder weniger auf einem Selbstfindungstrip. Geschildert ist das nicht nur treffend, sondern auch durchaus witzig – und sehr körperlich.

Die „Girls“ sind oft nackt. Und haben viel Sex. Diese Sexszenen finde ich interessant, weil sie erstens sehr lebensnahe und zweitens wichtig für die Narration insgesamt sind. In diesen Szenen sind nämlich nicht nur die Figuren nackt, sondern auch die Beziehungen. Und die gestalten sich komplex, mitunter weil die Männer – im Gegensatz zu Serien wie „Sex and the City“ – keine stereotypen Kerle, sondern auch auf ihren Selbstfindungstrips sind, unsicher und auf der Suche nach Liebe und Anerkennung.

Ich mag vor allem diese kleinen intimen Szenen, insbesondere zwischen den Freundinnen, wie jene in Staffel zwei Folge vier (Sorry, Mini-Spoiler): Jessa taucht bei Hannah auf, die in der Badewanne sitzt. Sie setzt sich mit ihr rein und beginnt, herzzerreißend zu weinen. Dann schneuzt sie sich in die Hand und taucht die Hand ins Badewasser. Hannah, die von sich selbst sagt, die pinkle immer rein, wenn sie bade, findet das grauslich. Und trotz des Dramas entwickelt sich Komik – über diese Nähe, über diese „sinnlosen“ Details.

Das ist für mich HBO, das Sich-Zeit-nehmen für Nebenbsächlichkeiten. Gerade diese Details machen „Girls“ halt auch rund und lebensnahe. Und deswegen fühle ich mehr mit als mit den Drama-Queens und -Kings in Formaten wie „Gossip Girl“.

Toll finde ich auch, wenn sie streiten. Etwa als sich Hannah und Marnie gegenseitig vorwerfen, egoistisch zu sein. Fast beneide ich die Mädels, dass sie so streiten können, sich gegenseitig Dinge an den Kopf werfen und trotzdem Freundinnen bleiben. Man muss sich der anderen sehr sicher sein, um so offen sein zu können. Und – auch das ist eines der Phänomene „meiner“ Generation – hier zeigt sich, dass Freundeskreise oft wie Familien funktionieren und fehlende Familienbande (Hannah hat z.B. keine Geschwister) ersetzen.

Ich würde jederzeit unterschreiben, was Hannah in Folge eins sagt: „I think i might be the voice of my generation. Or at least a voice of a generation.“

Ach ja, die Musik ist auch gut. Und in den USA läuft gerade Staffel zwei. Freu mich schon 🙂

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„A Single Man“: Der fantastische Mister Firth

Mit ein paar Jahren Verspätung habe ich nun also doch das Regiedebüt von Designer Tom Ford, die Christopher-Isherwood-Verfilmung „A Single Man“ von 2009 gesehen und die halbe Nacht davon geträumt.

a single man 1Die Geschichte ist im Herbst 1962, kurz nach der Kubakrise angesiedelt. Colin Firth spielt den schwulen Collegeprofessor George Falconer, der beschließt sich an diesem Tag umzubringen. Er leidet an einem „broken heart“, wie er selbst sagt, denn sein langjähriger Partner Jim ist bei einem Autounfall gestorben. Die Handlung ist – abgesehen von ein paar Rückblenden – innerhalb eines Tages angesiedelt, von dem Moment, in dem der Professor aufwacht, bis kurz vor Morgengrauen des Folgetages.

Die Ästhetik des Filmes wurde viel gelobt und ja, sie ist toll. Ich fand gerade den Beginn vielversprechend. Falconer, wie er aufwacht, die Handlungsschritte, bis er „George“ ist und seine eigene Kommentierung aus dem Off: Beklemmend, bedrückend, Mitgefühl erregend – das ist großes Kino.

Spannungsgeladen sind die Begegnungen Georges im Laufe seines „letzten“ Tages. Die nachbarliche Musterfamilie, das Seminar auf der Uni, das er hält, eine Begegnung mit einem Hund, einem Stricher und einem kleinen Mädchen: Man weiß nie, was er tun wird. Wird er seine Maske fallen lassen? Sich „sichtbar“ machen, als Schwuler in der McCarthy-Ära?

Das alles weiß Ford sehr ästhetisch einzufangen. Lange Einstellungen, langsames Tempo, detailreiche und ausbalancierte Bilder. Hie und da erinnerte er mich an „Tinker Tailor Soldier Spy“, auch das eine Materialschlacht, aber nicht der frühen 1960er, sondern der 1970er. Und außerdem erst später entstanden. Oder die TV-Serie „Mad Men“ (Jon Hamm hat auch einen „Auftritt“ – als Stimme am Telefon, die George erzählt, dass sein Freund gestorben ist).

Herausgestochen sind zwei Interaktionen: Das Treffen mit seiner besten Freundin A Single ManCharlotte, genannt Charly (Julianne Moore), und jene mit seinem Studenten Kenny Potter (Nicholas Hoult). Insbesondere letztere lädt den Film erotisch auf. Diese schwüle Atmosphäre in Los Angeles, und dieser Seiltanz einer gefährlichen Annäherung, immer nahe am Absturz, der Abstoßung.

Wirklich herausragend ist Firth selbst. Sein Gesicht bleibt kontrolliert, britisch cool und doch vermag er Schmerz und Trauer intensivst auszudrücken. Schade, dass Ford glaubt, ihn immer wieder mittels Lichteffekten in Farbe tauchen oder ins Gräuliche verwaschen lassen zu müssen. Das bräuchte man nicht, man sieht auch so, in welchen Momenten er auflebt und in welchen untergeht. Diese Trauer hat mich so berührt, dass ich davon geträumt habe.

Apropos Untergehen: Auch da übertreibt der Designer-Regisseur, denn die Zuseher haben auch nach der ersten Einstellung von Firth, der sich (nackt) unter Wasser windet, gecheckt: Dieser Mann ist am Ertrinken. Ebenso ließe sich die wiederholte Diskussion von Leben in der Vergangenheit vs. In der Gegenwart straffen.

Enttäuscht hat mich der Schluss, denn er ist – im Gegensatz zu Isherwoods gleichnamigem Roman – eindeutig. Ein so eindeutiges Ende passt meiner Meinung nach nicht so gut zur Geschichte wie die Offenheit es getan hätte.

A Single man posterUnd, eine Kritik abseits des Filmes selbst: Um die Oscar-Chancen von „A Single Man“ zu erhöhen, hat die Weinstein Company den Trailer und das Poster enthomosexualisiert: Man sieht im Trailer, wie sich George und Charlotte küssen, ein Kuss zwischen George und Jim wurde rausgeschnitten. (Mehr dazu hier: http://www.indiewire.com/article/a_tale_of_two_trailers_the_de-gaying_of_a_single_man)

Diese Kritik schmälert die schauspielerischen Leistungen aber nicht. Firth war mit „A Single Man“ zu Recht für einen Oscar nominiert, unterlag aber Jeff Bridges („Crazy Heart“). Bekommen hat er ihn im Folgejahr für „The King’s Speech“. Manche meinten, das sein ein verspäteter „A Single Man“-Oscar gewesen.Ich glaube, das Doppel war’s.

Und noch eine kleine Notiz zu Nicholas Hoult: Der Ex-Kinderstar (der Bub aus der Nick-Horny-Verfilmung „About a Boy“!) ist ein absoluter Glücksgriff. Dabei war er eigentlich ein Ersatz. Ford hatte schon einen anderen Schauspieler gecastet, doch der tauchte fünf Tage vor Drehbeginn nicht zur Kostümprobe auf und ließ via Manager wissen, dass er aus dem Film aussteige. Angeblich soll es sich um Jamie Bell gehandelt haben. Auch er ist ein Ex-Kinderstar: Er tanzte in „Billy Elliot“.

Der britische Trailer (mit schwulem Kuss):

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Game of Thrones: Staffel drei wird länger

Gute Nachrichten von der „Game of Thrones“-Front: Die Wartezeit ist hart, aber sie dürfte sich lohnen. Die dritte Staffel der HBO-Serie wird länger. Zwar sind weiterhin „nur“ zehn Folgen geplant, diese sollen aber 56 oder 57 Minuten lang sein. Das sind vier, fünf Minuten mehr als die Folgen von Staffel eins und zwei. Zusammengezählt darf man sich über eine ganze Folgenlänge freuen. Und: Das Staffelfinale soll mehr als eine Stunde dauern, wie der Pilot der Serie und das Staffel-zwei-Finale.

Game of Thrones Staffel drei startet am 31. März 2013

Game of Thrones Staffel drei startet am 31. März 2013

Damit ist „Game of Thrones“ zwar immer noch kürzer als das andere HBO-Steckenpferd in der Drama-Sparte, „Boardwalk Empire“, aber man zollt dem zunehmenden Stellenwert Tribut. Gilt „Game of Thrones“ ja als die am häufigsten illegal heruntergeladene Fernsehserie. Wer sie kennt, weiß, das hat einen guten Grund. Sie hat exzellente Schauspieler, ist visuell fantastisch und – das allerwichtigste – hat einen spannenden, dichten, unvorhersehbaren und trotzdem logisch erscheinenden Plot. Genug des Lobes, was dürfen Kenner von George R. R. Martins Buchreihe „A Song of Ice and Fire“ handlungstechnisch erwarten? Staffel drei soll etwa die Hälfte des dritten Teils der Buchreihe umfassen. Staffel zwei hat teilweise schon auf Handlungsstränge vorgegriffen, so weit ich mich erinnern kann, weichte aber ohnehin stellenweise von der Romanvorlage ab. Wovor man sich als Fan wohl fürchtet: In Staffel drei wird jene Szene, die hier nur mit ihren Initialen R.W. beschrieben wird, zu sehen sein. Sie wurde bereits gedreht. Readers know what i’m talking about …

Am 31. März 2013 ist die dritte Staffel „Game of Thrones“ in den USA zu sehen, erste Teaser gibt es bereits:

Freue mich jedenfalls auf ein Wiedersehen mit Jon Snow (ich liebe seinen Handlungsstrang aus Buch drei, wie jedes Mädchen), und Queen Cersei und natürlich Arya und Tyrion und und und … FREU!!!

Danke @PseudoQuasi und www.westeros.org  für den Input.

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One Tree Hill: Alte Liebe rostet (fast) nicht

Vor ein paar Tagen ist mir ein altes Zitat aus einer Fernsehserie wieder eingefallen und ich habe dann ein bisschen Zeit mit dieser Serie verbracht: „One Tree Hill“. Eine klassische guilty pleasure Geschichte, denn wirklich gut war „One Tree Hill“ eigentlich nie, richtig schlecht aber auch nicht. Die ersten fünf Staffeln habe ich jedenfalls verschlungen. Ich glaube, ich bin damals eingestiegen, als in den USA gerade die dritten Staffel lief.

Lucas und Peyton aus "One Tree Hill"

Lucas und Peyton aus „One Tree Hill“

Habe dann erst Staffeln eins bis drei in der Block-„Lektüre“ (drei, vier Folgen am Stück) angesehen und habe sie mir dann – parallel zur US-Erstausstrahlung – gestreamt. Inzwischen sind erstaunlich viele Clips auf YouTube gelandet, genug jedenfalls für ein selektives Re-Viewing, das ich jetzt betreibe.

Warum ich nach Staffel sechs ausgestiegen bin, ist schnell erklärt: Ich habe den Handlungsstrang „Kommen Peyton und Lucas zusammen oder nicht?“ verfolgt. Und der war nach Staffel sechs Geschichte, denn die beiden Schauspieler sind ausgestiegen. Die restlichen Charaktere waren Zugabe, aber Brooke oder Haley sind mir zu wenig, um mir diese Serie anzusehen.

MTV nannte Lucas & Peyton „the overly dramatic couple you could not help but root for“ und verglich das Paar mit Joey und Pacey aus „Dawson’s Creek“. Mit letzteren konnte ich nie wirklich viel anfangen, dafür mochte ich beide Figuren zu wenig. Joey mit ihrem ewigen pseudoschüchternen halbseitigen Lächeln und der völlig uninteressante Pacey  gingen mir vor allem auf die Nerven.

Peyton Sawyer

Peyton Sawyer

Peyton, die künstlerisch-düstere Cheerleaderin, und Lucas, der belesene (und später: schreibende) Basketballer, fand ich beide interessantere und „rundere“ Charaktere. Chad Michael Murrays Lucas war hübsch und smart (außer bei Frauen), aber vor allem mochte ich Hilarie Burtons Peyton. Ihren Musikgeschmack, ihren Stil, ihre Unsicherheit, ihre Freunschaft zu Brooke, ihren Humor. Selbst wenn die schauspielerische Leitung mittelmäßig war und die Dialoge manchmal zwischen Pathos und Banalität schwankten: Ich mochte die Serie einfach. Sie war witzig und empathisch und manchmal traf sie es genau.

Man merkt: Dieses „Wiedersehen“ mit „One Tree Hill“ war von sentimentalen Gefühlen begleitet. Mit Erinnerungen an die  Zeit, in der ich Teenager-Serien, gesehen habe (obwohl ich selbst kein Teenager mehr war). Warum tue ich das jetzt nicht mehr? Nach „O.C. California“ und „One Tree Hill“ habe ich keine Serie in dieser Sparte gefunden, die mich wirklich fesselte.

„Gossip Girl“? Blake Lively ist toll, aber insgesamt ist mit „Gossip Girl“ zu „oberschichtig“ und flach, zu übertrieben dramatisch („30 Rock“ hat das mal gut persifliert).

„Friday Night Lights“? Ja, mag ich, ist aber keine wirkliche Teenie-Serie für mich. Vielmehr Football-Geschichte und Einblick in Amerika (dazu ein anderes Mal mehr).

„Glee“? Hm. „Glee“ ist ein Sonderfall – die singen ja alle! Obwohl ich Chris Colfer als Kurt Hummel großartig finde!

Was brauch eine Teenager-Serie also für mich? Auf jeden Fall interessante Charaktere. Ein bisschen mehr als der durschnittliche American Boy oder die Cheerleaderin, aber auch anders als der 0815-Streber. Wie „O. C., California“: Die schöne und reiche Marissa, immer nahe am Abgrund. Der nerdige Seth Cohen, ein unerwarteter Frauenmagnet. Das gilt auch für Nebenfiguren. Wichtig sind Liebesgeschichten mit Dramatik (Siehe obigen Abschnitt über Peyton und Lucas).  Ich mag es außerdem, wenn mich die Mode einer Serie inspiriert (ja, ich bin ein Mädchen).. Und Musik. Gute Musik ist wichtig.

One Tree Hill Hauptfiguren: Mouth, Skills, Brooke, Lucas, Peyton, Nathan, Haley

Eine Sache ist „One Tree Hill“ jedenfalls hoch anzurechnen: Erfinder Mark Schwahn hat sich als vermutlich erster an den Zeitsprung gewagt und gewonnen. Denn üblicherweise geht Teenie-Serien nach dem High-School-Abschluss die Luft aus. Offenbar interessiert das die Zuseher nicht so besonders, wer sich wo und wie am College durschlägt. Staffel fünf setzte jedenfalls drei Jahre nach Staffel vier ein – und diese ganze lästige College-Sache mit der ganzen geografischen Distanz ist gegessen. Dieser Zeitsprung hat der Serie noch vier Staffeln, insgesamt neun, gebracht. Den Trick haben auch andere TV-Shows probiert, bis jetzt mit weniger Erfolg (zB: „Desperate Housewives“, „Mad Men“ macht ihn im Ansatz).  Aber er verschafft neue Möglichkeiten.

Ach ja, das Zitat. Es geht ungefähr so: „I love you. I’m in love with you.“ Antwort: „Oh“

🙂

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