Vier Minuten. Ein Film geht mir nicht aus dem Kopf

Am Samstag habe ich mir „Vier Minuten“ mit Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung angesehen. Das erste Fazit fiel ja nicht so positiv aus.

Die Handlung: „Vier Minuten“ handelt von der selbstzertörerischen jungen Gefängnisinsassin – Mörderin – Jenny, eine talentierte Pianistin, und ihrer strengen und gefühlskalten Klavierlehrerin. Sie möchte, dass Jenny bei einem Wettbwerb teilnimmt, auf den auch die Handlung zustrebt.

Schon beim Titel hat der Regisseur und Drehbuchautor Chris Kraus ein schlechtes Händchen bewiesen. „Vier Minuten sind manchmal alles, was die Welt dir schenkt“ oder ähnlich wird die Dramatik im Trailer überspitzt – mit dem Film selbst hat das nur sehr wenig zu tun. Jennys Performance (und das ist sie wirklich, eine künstlerische Glanzleistung) am Ende des Filmes dauert vier Minuten, aber das ist auch das Ende des Rätsels. (Die Frage nach der Bedeutung des Titels und die unzureichende Antwort ist mir ja schon bei „21 Gramm“ negativ aufgefallen.)

Das größere Problem ist allerdings, dass der Regisseur sich einfach nicht entscheiden kann, wer denn nun im Zentrum des Filmes steht. Durch völlig unnötige Rückblenden in die Nazizeit und unausgegorene Pseudo-Geschichten von weitgehend funktionslosen Nebenfiguren droht die Geschichte ihren roten Faden zu verlieren. Ein weiteres Zwischending, das von Entscheidungsschwäche der Macher zeugt, ist, dass der Film sich weder genügend an die Konventionen des Genres hält, noch genügend davon abweicht. Ein Beispiel: Nach etwa einem Viertel des Films, in dem es bis dahin nur um die beiden im Zentrum stehenden Frauen geht, gibt es plötzlich einen Perspektivenwechsel und man sieht ein Gespräch zwischen Jennys Vater, der sie in mehrere Hinsicht missbraucht hat, und einem Journalisten. Da fragt sich der Zuseher doch, was soll das? Und über die Rückblenden will ich gar nicht reden.

Ein allerdings sehr glückliches Händchen hat der Regisseur in der Wahl seiner Hauptdarstellerinnen bewiesen: Monica Bleibtreu spielt konstant auf hohem Niveau aber eine Entdeckung ist das wunderbar intensive Spiel von Hannah Herzsprung. Sie legt ihren Charakter sehr brüchig an – hochsensibel und selbstzerstörerisch. In der Szene im Hospital (wenn auch die Geschicht ein bisschen dick aufträgt, aber das ist Kino – das muss manchmal so sein) musste ich weinen. Und gerade diese starken Szenen zwischen den beiden gehen mir jetzt nicht mehr aus den Kopf. Vier Minuten wirkt nach, mehr als ich dachte.

Vier Minuten

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