David Lynch: Die Dekonstruktion eines Mythos

Heute habe ich in Wien David Lynch live gesehen – und ich wurde bitter enttäuscht.

Zuerst sahen wir im Gartnbaukino „Mulholland Drive“. Den hatte ich zwar schon gesehen, aber ich ging trotzdem hin, weil ich nicht riskieren wollte, nach dem Film nicht mehr zur Diskussion ins Kino gehen zu können – Kartenkäufer bevorzugt.

„Mulholland Drive“ hat mir nicht so gut gefallen, wie das erste Mal. Interessanterweise fand ich diesmal die zweite Hälfte (oder der Teil nach dem Öffnen der blauen Box) spannender. Vielleicht war es auch das Warten auf Lynch selber, das mich vom Film ablenkte…

Und dann war er da, live, dieser großartige Regisseur, denn „Twin Peaks“ ganz oben auf meiner Serien-Hitliste steht. Doch was Lynch zu sagen hatte, war auf eine peinliche Weise irritierend… Er sprach ständig von Meditation und wie sie Frieden und „Happiness“ auf die Welt bringen könne. Eine Art Allheilmittel und ich meine wirklich Allheilmittel – jede Frage aus dem Publikum, ob zur Ideenfindung für seine Filme, weltpolitische Themen oder Roy Orbison – ständig ging es ihm nur um Meditation. Das ganze glich einer Art Sekten-Vortrag, der Meister sagt, wie man zur ewigen Glückseligkeit findet.

Das einzige interessante (was nicht ganz so verstören und abstoßend war): Wie kommt Lynch zu seinen Filmideen? Er „fischt“ sie aus seinem Unterbewusstsein (das er auch ablehnt – alles muss ins Bewusstsein). Einzelne Szenen, die sich dann zu einem Ganzen fügen lassen – Brüche bleiben aber.

Diese Diskrepanz zwischen seiner Arbeit und seiner meditationsbedingten Heile-Welt-Fantasie ist ihm aber nicht bewusst.

Naja, ihn zu sehen hat ihn entzaubert (ging mir da ähnlich wie manchmal mit Schauspieler-Interviews). So bald werde ich mir wohl keinen Lynch mehr ansehen können – bis ich „ihn“ verdaut habe. Zum Glück ist es mit Regisseuren aber wie mit Schriftstellern – der Text weiß mehr als der Autor. Der Film weiß (und kann) mehr als der Regisseur.

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