Downton Abbey (ITV): Nur Mädchen!

Gerade einmal zwei Wochen habe ich gebraucht, um mir zwei Staffeln der neuen britischen Serie „Downton Abbey“ anzusehen. Zwar haben die Staffeln nur je sieben bzw. acht Folgen, aber trotzdem habe ich eine bedenklich hohe Anzahl an Abenden daheim vor dem Fernseher verbracht. Ein wenig asozial, aber naja, man muss Opfer bringen 🙂

Die Handlung von „Downton Abbey“, einer Produktion des britischen Privatsender-Netzwerks ITV, setzt an dem Tag ein, nachdem die „Titanic“ einen Eisberg gerammt hat, also am 3. April 1912. Mit dem unsinkbaren Schriff ist ist auch der Erbe des Earl of Grantham und des Familiensitzes, des prunkvollen titelgebenden Schlosses, untergegangen. Denn der Graf hat nur Töchter, die schöne, kühle und arrogante Mary Crawley, das „hässliche Entlein“ Edith Crawley und die moderne Sibyl Crawley, die jüngste im Bunde. Und die sind nicht erbberechtigt. Der nächste in der Erbfolge ist ein entfernter Cousin, der junge Anwalt Matthew Crawley. Er soll – so plant das jedenfalls die Familie – Mary Crawley heiraten, damit Familienbesitz Familienbesitz bleibt. Die beiden jungen Leute halten jedoch nicht viel von diesem Plan, auch wenn sie wie füreinander bestimmt scheinen. Ja, an dieser Stelle setzt eigentlich eine klassische „Pride and Prejudice“-Geschichte ein: Man mag einander, will es aber nicht zugeben. Und sobald man es zugibt, scheitert das Zusammenkommen an anderen Komplikationen …

Diesen Plot verbindet „Downton Abbey“ mit einen parallelen Handlungsstrang, der sich den Angestellten der Adelsfamilie widmet, deren Alltag, Machtspiele und natürlich auch deren romantische Verbandelungen. Dabei lernt man einiges, nämlich was ein „Valet“, einen Kammerdiener von einem Butler unterscheidet. Die Angestellten sind Vertraute und Aufpasser, Einflüsterer und Schutzbefohlene. Manchmal wechselt sich Adel und Dienerschaft mit der Rolle des Kindes ab. Und auch im Dienstboten-Trakt gibt es eine unglückliche Liebesgeschichte zwischen dem hinkenden Kammerdiener und dem fleißigen Dienstmädchen.

Man merkt: Es geht um Liebe und Adel in einer längst vergangenen Epoche. Schöne Kleider, schöne Häuser, ein bisschen Gesellschaftskritik und ganz viel Seifenoper – herrlich! Wer die weihnachtlichen BBC-Mehrteiler, die Verfilmungen von Jane Austens Klassikern, „Jane Eyre“ und ähnliches mag, wird auch „Downton Abbey“ lieben. Mein Freund hat es vorgezogen, das Zimmer zu verlassen.

Ein ganz besonders Juwel ist ja die Altgräfin, Countess Violet Crawley, die Großmutter der drei Mädchen. Gespielt wird sie von der wunderbren Maggie Smith als Mixtur aus altem Drachen und liebevoller Oma – und sie bekommt die besten Sätzevon  Serienerfinder und Drehbuchautor Julian Fellowes (selbst Adeliger). Etwa in einer Szene, in der die Familienmitglieder erleichtert reagieren, als sie erfahren, dass Mary und ihr Doch-nicht-Verlobter Matthew nicht schon im Zug aus London, sondern erst im Schloss zum ersten Mal seit Monaten aufeinander treffen werden. „What a relief“, sagt die alte Dame. „I hate Greek drama … You know when everything happens off stage.“

In Staffel zwei hat man den ersten Weltkrieg hinter sich gebracht, ein Paar hat es vor den Traualtar geschafft – und ich warte schon jetzt auf Staffel drei, die erst im Herbst 2012 augestrahlt wird. Kleiner Trost: Zu Weihnachten gibt es ein Special, vielleicht tut sich ja was unterm „Mistletoe“.

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Ein Gedanke zu “Downton Abbey (ITV): Nur Mädchen!

  1. Pingback: Downton Abbey: Mary, Matthew und das Christmas Special « Miss Yarvis in der Medienwelt

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