Jane Austen’s Emma (BBC, 2009)

Was tut frau, wenn sie im Krankenstand (Danke, „Empfang mit Punschtrinken“) ist? Sie sieht sich die BBC-Neuverfilmung von Jane Austens Klassiker „Emma“ aus dem Jahr 2009 an. Vier einstündige Teile – dazwischen kann man sich schön mit Tee auffüllen, planmäßig die Pillen einwerfen oder ein erholsames Nickerchen machen.

Ich liebe ja „Emma“, neben „Stolz und Vorurteil“ sicher meine liebste Austen-Geschichte (wobei ich nur diese beiden auch gelesen, nicht nur gesehen habe). Eine Neuverfilmung war – 15 Jahre nach der letzten breit rezipierten „Emma“ – schon überfällig: Gwyneth Paltrow spielte Miss Woodhouse für Hollywood 1996. Charmant fiel diese Interpretation aus, aber sie war doch auch ein wenig „amerikanisch“. Jeremy Northam gab außerdem einen eher kumpelhaft-humorigen denn ernsten Mr Knightley ab. Das trifft nicht jedermanns Geschmack. Toni Collette als Harriet Smith war indes eine durchaus interessante Besetzung.

Aber zur „neuen“ Emma: Mit vier Mal knapp 60 Minuten hat die BBC natürlich mehr Zeit, sich den Details zu widmen und noch mehr: Zu Beginn wird auch kurz die Kindheit von Emma, Jane Fairfax und Frank Churchill geschildert. Die Schicksale der drei sind – wie die Hauptfigur einmal bemerkt – schon hier miteinander verknüpft: Alle drei verlieren die Mutter oder gar beide Elternteile (Jane), zwei (Jane und Frank) müssen deswegen von zu Hause fort. Erst als Erwachsene treffen sie sich dann wieder …

Romola Garai, die mir schon in „Abbitte“/“Atonement“ auffiel, ist eine bezaubernd lebhafte Emma. Ich hab in einigen Kommentaren gelesen, dass Zuschauser sie nicht mögen, aber ich fand sie absolut umwerfend. Denn sie gibt Emmas scheinbar sorglosem Leben über ihr Spiel Facetten. Überhaupt zeigt die Verfilmung gut, wie unfrei Emma, wie gefesselt sie an ihr Elternhaus ist (bis zu einem gewissen Grad freiwillig). Großartig fand ich auch die berühmte Picknick-Szene: Eine gute Folge lang wird diese aufgebaut, ist der große Ausflug auf den Box Hill immer wieder Thema und als dieser dann – dank der Hitze – zur Enttäuschung zu werden droht, da fühlt versteht man Emmas zunehmede Aufgedrehtheit, die dann in einen beleidigenden Schwerz kulminiert, weit besser als in anderen Verfilmungen.

Jonny Lee Miller (ja, der „Sick Boy“ aus „Trainspotting“ und Angelina Jolies Ex-Mann) punktet als wunderbar sanfter Mr Knightley. Er ist sich in dieser Version nicht von Anfang an bewusst, dass er in Emma verliebt ist, sondern entdeckt es erst – und der Zuschauer mit ihm, denn es ist ihm an der Miene abzulesen (und für ganz dumme Zuschauer hat die BBC dann auch eine Überblendung eingebaut, wenn es denn sein muss).

Die Nebenfiguren stehlen den beiden jedenfalls nicht die Schau. Laury Pyper gibt eine recht unscheinbare Jane Fairfax ab, Rupert Evans ist ein Frank Churchill, der von jugendlichem Übermut (und Dummheit) nur so übergeht. Mal ehrlich. Gibt es wirklich Fans von Jane Fairfax und Mr. Churchill? Naja, erwähnenswert ist jedenfalls auch Michael „Mr Dumbledore“ Gambon als Mr Woodhouse. Ohne Bart ist er zum Glück nicht ganz so „Harry Potter“.

Positiv hervorheben möchte ich neben der Zeit, die sich die Verfilmung mit den Figuren lässt (so kann man herrlich die Mimik studieren), auch einge gewisse Lockerheit. Die Figuren sind weniger steif im Umgang miteinander, wie man es der damaligen Zeit vielleicht andichten will. Mit Ausnahme der öffentlichen Küsse, damals wohl wirklich ein Tabu.

Der Schluss ist vielleicht ein kleines bisschen „over the top“ für ein britische Kostümdrama, aber hach! Freue mich schon auf eine Neuverfilmung von … was gerade in Planung ist ;))

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