„Battlestar Galactica“: Kara, Lee und das Versprechen

Auch der eingefleischte Serienfan verpasst manchmal das eine oder andere Highlight. In meinem Fall was das „Battlestar Galactica“ (2003 bis 2009), die Neuauflage der Siebziger-Jahre-Serie. Gerade heuer, zum Weltuntergangs-Jahr, passt ein bisschen Apokalypse ja hervorragend.

Natürlich war ich bald „gehooked“, denn der Spannungsaufbau ist geschickt, die Figuren sind ambivalent (so wie ich das mag) und die Serie bietet – kaum getarnt – einen sehr erhellenden Einblick in die amerikanische Psyche nach 9/11: Ein Feind, den man nicht versteht, Paranoia, Schläfer in den eigenen Reihen und dann natürlich die ganze innenpolitische Schiene samt Machtkampf zwischen Regierung und Militär.

Wer die Serie noch nicht gesehen hat und noch sehen will, der sollte hier nicht mehr weiterlesen.

Ab hier gibt es SPOILER.

So spannend Weltraumkriege und USA-Metaphern auch sind – natürlich fiebere, fühle ich mit den Figuren mit (parasoziale Beziehungen nennt man das und darin bin ich Spitze!). Insbesondere lebe ich mit der rebellischen Pilotin Kara „Starbuck“ Thrace mit. Der Herzschmerz-Teil der Serie lebt von der Spannung zwischen „Starbuck“ und ihrem Konterpart, dem willensstarken, aber diplomatischeren Piloten und Sohn des Flottenchefs, Lee „Apollo“ Adama (In der Originalserie waren beide Männer). Die Frage der Fragen: Kommen die beiden jemals zusammen? Ich bin zwar in der Mitte der zweiten Staffel, aber ich hab es nicht mehr länger ausgehalten und online nachgelesen und die Antwort lautet eigentlich Nein. Natürlich gibt es da Momente und auch eine gemeinsame Nacht, aber so richtig ein Paar sind die beiden nie. Einen plausiblen Hinderungsgrund dafür gibt es – so weit die Blogger und Kritiker – nicht.

Damit habe ich ein Problem. Nicht unbedingt emotional, ich verschmerze die enttäuschte Hoffnung schon mithilfe von ein bisschen Schokolade, sondern im Hinblick auf die Produktion insgesamt. Ich habe mir nämlich (auch das ist ein Hobby von mir) ein paar Schlüsselszenen aus der Miniserie (Staffel Null quasi), der ersten und eben der ersten Hälfte der zweiten Staffel angesehen und muss die Drehbuchautoren und Produzenten rügen: Sie spielen mit der Erwartungshaltung der Zuseher und enttäuschen ihn schlußendlich. Bereits beim ersten Treffen machen die Produzenten ein Versprechen: Die Art der Inszenierung, was gesagt und was nicht gesagt wird, sagen ganz deutlich: Liebesgeschichte. Wenn es kein Happy End gibt (bei einer Serie über die Apokalypse verständlich), dann muss es einen guten Grund dafür geben, warum die Geschichte tragisch endet. Ob der Grund, den die Serie liefert, gut genug ist, das bezweifle ich nach der Lektüre einiger Zuschauerreaktionen. Naja, ich werde sehen, ob es für mich reicht. Aber wenn das zutrifft, dann schwächt das Serie insgesamt.

Das passt allerdings zum generellen Eindruck, den ich von „Battlestar Galactica“ habe: In ihren guten Momenten ist sie hervorragend und verdient all das Lob der Kritiker und Fans. In ihren schlechten Momenten ist sie richtig schlecht – und handwerklich schlampig. Ein lieber Kollege, der leider so gar kein Gespür für Spoiler hat, hat mich vorgewarnt: Die Serie ende auf einem „Low“, meinte er (da habe ich es dann nicht mehr ausgehalten und zumindest den Starbuck/Apollo-Handlungsstrang nachgelesen).

Zum Trost: „Battlestar Galactica“ ist nicht am Ende. Derzeit ist eine Prequel-Serie „Battlestar Galactica: Blood and Chrome“ in Arbeit (Link: http://www.imdb.com/title/tt1704292/). Der Plot: Der erste Zylonen-Krieg aus der Sicht von William Adama, dem Vater von Apollo. Vielleicht erleben Starbuck und Apollo auch eine Wiederauferstehung oder Fortsetzung, vielleicht auch als Film. Die Hoffnung auf ein Happy End stirbt zuletzt. Bis dahin bastle ich mir mein eigenes in meiner Phantasie 🙂

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Ein Gedanke zu “„Battlestar Galactica“: Kara, Lee und das Versprechen

  1. Dieser Post enthält minimale Spuren von Spoiler.

    Der Handlungsstrang zwischen Lee Adama und Starbuck ist für mich ein Nebenstrang, der meines Erachtens die meiste Zeit gute Lösungen/Konflikte beinhaltet.

    Generell zur Serie: Eine der intelligenteren Science Fiction Serien. Ich erkenne in ihr nicht nur eine Post 9/11 Story, sondern auch eine Verhandlung einer der Grundsatzfragen der Ethik: Wem schulde ich aufgrund welcher Gründe moralische Berücksichtigung? Wann ist eine Person eine Person? (Und eben nicht mehr nur ein Ding, oder wie es in der Serie heißt: ein Toaster?

    Dazu ist es natürlich eine religiöse Geschichte. Moses reloaded gewissermaßen. Hierbei hat die Geschichte viele Stärken, aber auch viel Potential für esoterischen Kitsch.

    Und das Ende? Die letzte Folge? Tatsächlich ein „low“. So darf man das eigentlich nicht machen. Plötzlich wird es handwerklich mies (manche Figuren tauchen am Ende nicht mehr auf), es wird moralinsauer, technologiekritisch; für Mysterien, bei denen keine Lösung mehr möglich scheint, wird Gott aus dem Hut gezaubert. Oder wie der Autor von „Das Lied von Eis und Feuer“ Martin über das Ende schrieb: „Battlestar Galactica ends with ‚God Did It.‘ Looks like somebody skipped Writing 101, when you learn that a deus ex machina is a crappy way to end a story… Yeah, yeah, sometimes the journey is its own reward. I certainly enjoyed much of the journey with BSG… But damn it, doesn’t anybody know how to write an ending any more? Writing 101, kids.“

    Die letzte Episode wurde großartig von folgendem Blog kritisch kommentiert (natürlich Spoiler Alert hoch zehn) : http://www.theandrewblog.net/2011/09/23/7-big-questions-about-battlestar-galacticas-finale/

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