Königsdrama „Breaking Bad“

Ich bin ein bisschen spät dran. Vor Kurzem habe ich Staffel vier von „Breaking Bad“ zu Ende gesehen (ab jetzt gilt Spoileralarm, ich will’s nur gesagt haben). Auch wenn Staffel fünf in den USA bereits im vollen Gange ist, lasse ich mir damit wohl Zeit, weil ich es einfach hasse, ein Jahr auf eine Fortsetzung warten zu müssen. Und so schockierend das Ende von Staffel vier auch ist, so ist es doch zumindest kein Cliffhanger.

Walt betrügt also Jesse und würde sogar ein Kind töten, damit er an seiner Seite bleibt.

Nach meiner ersten Reaktion („WTF?“, „Das glaube ich jetzt nicht!“, „Wie kann er?“, „Nun ist Walt also wirklich ein Bösewicht!“) hatte ich eine interessante Assoziation: „Breaking Bad“ erinnert mich an die Shakespearschen Königsdramen, sowie an „Macbeth“ und „Hamlet“.

Gehen wir einen Schritt zurück: Zu Beginn von „Breaking Bad“ dachte ich, die Erzählung gehe in Richtung Bildungsroman: Zwischen Walt und Jesse werde sich eine Art Lehrer-Schüler-Verhältnis aufbauen, Walt wird Jesse vielleicht gar wie ein Vater „erziehen“, zumindest aber werden die beiden voneinander profitieren und einander zu besseren Menschen machen. Weit gefehlt.

Vielmehr geht es „Breaking Bad“ um Macht – um das Erringen und Halten einer möglichst hohen und somit selbstbestimmten Stellung in einem korrupten Machtgefüge (hier sind nicht nur die Syndikate gemeint). Für mich ist Walt ein landloser König: Er ist intelligent und trägt eine Krone (seinen Ruf als „Heisenberg“), aber er hat kein Gefolge. Jesse ist zugleich sein fehlerhafter, gütigerer, schwacher Kronprinz wie auch sein Diener. „Breaking Bad“ ist ein ständiges Auf und Ab dieser Figuren – denn wenn der eine aufsteigt, stürzt der andere ab. Jesse zieht Walt mit seiner Drogensucht nach unten, Walt wiederum wird für Jesse durch seine Paranoia zum (lebensgefährlichen) Hindernis für sein Fortkommen. Und doch scheinen sie andeinander gekettet. Warum? Verbindet die beiden doch ein krankes Vater-Sohn-Verhältnis? Schließlich kümmert sich Walt um den kranken Jesse. Und Jesse wird für Walt zum Mörder. Vor allem aber sind sie zu zweit mächtiger als alleine – und zumindest einer der beiden weiß das. Nur zu zweit, so ahnt man, können diese beiden so gegesätzlichen Charaktere den Anspruch auf den Thron erheben, sprich Drogenbosse werden.

Der Rest ist Ränkespiel und Intrige.

So, ich habe das alles geschrieben, ohne eine Sekunde von Staffel fünf gesehen zu haben. Vielleicht straft sie meine „Thesen“ Lügen. Das werde ich wohl erst in ein paar Wochen wissen 🙂 Vor „Breaking Bad“ wartet nämlich noch eine „alte Hausaufgabe“: „Deadwood“.

Nachtrag: Auf den Plakaten zur Staffel fünf mit Walt steht „All Hail the King“ – zumindest mit dem König liege ich nicht falsch 😉

Nachtrag Nummer zwei: Fand auf einem Blog ein sehr gutes Paper, in dem „Breaking Bad“ mit „Macbeth“ verglichen wird: puentes reading room: Breaking Bad and Macbeth
Stimme nicht bei allen Vergleichen zu, wohl aber der Analyse am Schluss: Machthunger korrumpiert auch „the noblest of men“.

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