„Girls“ (HBO): Ja, die Serie ist tatsächlich so gut

Ein Emmy, zwei Golden Globes und noch eine Handvoll Trophäen bzw. Nominierungen für wichtige TV-Preise hat die HBO-Serie „Girls“ jüngst abgeholt. Die Kritiker überschlagen sich fast mit Lob, kaum eine aktuellere Bestenliste kommt ohne sie aus und auch die Fans lieben „Girls“. Menschen wie mich macht so ein Hype ja skeptisch. Aber am besten man bildet sich selbst sein Urteil, oder? Und so haben der Co und ich vor zwei Wochen mit der ersten Staffel „Girls“ angefangen. Er war erst wenig begeistert von meinem Feierabendvorschlag, allein der Name der Serie zielt nicht unbedingt auf männliches Publikum ab. Doch schon nach Folge eins war er begeistert. Und nach Folge zwei waren wir beide Fans.

hbos-girlsDie Serie kreist um fünf Freundinnen Anfang/Mitte zwanzig in New York, genauer gesagt in Brooklyn, im Mittelpunkt steht Hannah Horvath (Lena Dunham), klein, mollig, selbstbewusst und doch unsicher, folglich weird und angehende Schriftstellerin. Sie lebt mit der ungewollt konservativen und total hübschen Galerien-Mitarbeiterin Marnie (Allison Williams) zusammen. Zu ihren besten Freundinnen gehört die betont coole und sexy Britin Jessa (Jemima Kirke), die bei ihrer Cousine Shoshanna (Zosia Mamet), Jungfrau und Schnellrednerin, wohnt. Klar, da gibt es auch Jungs oder Männer, etwa Hannahs Liebhaber Adam (Adam Driver) oder Marnies Freund Charlie (Christopher Abbott).

Autorin/Regisseurin/Hauptdarstellerin Dunham gelingt es jedenfalls, ein Lebensgefühl einzufangen, das ich (obwohl inzwischen den 30. Geburtstag überschritten) gut kenne. So beginnt die Serie damit, dass Hannahs Eltern ihr die finanziellen Zuwendungen streichen. Als Dauerpraktikantin in einem Verlag verdient sie selbst kein Geld. „All my friends get help from their parents“, sagt Hannah. Jep. Das ist in der „Generation Praktikum“ durchaus üblich, dass die Eltern die Miete oder die Versicherung zahlen, oder zumindest den Urlaub mitsponsern, oder? In „Girls“ folgt auf die elterliche Ankündigung „No more money“ kein trister Überlebenskampf, sondern irgendwie wurschtelt sich Hannah schon durch. Überhaupt: Alle Figuren sind permament mehr oder weniger auf einem Selbstfindungstrip. Geschildert ist das nicht nur treffend, sondern auch durchaus witzig – und sehr körperlich.

Die „Girls“ sind oft nackt. Und haben viel Sex. Diese Sexszenen finde ich interessant, weil sie erstens sehr lebensnahe und zweitens wichtig für die Narration insgesamt sind. In diesen Szenen sind nämlich nicht nur die Figuren nackt, sondern auch die Beziehungen. Und die gestalten sich komplex, mitunter weil die Männer – im Gegensatz zu Serien wie „Sex and the City“ – keine stereotypen Kerle, sondern auch auf ihren Selbstfindungstrips sind, unsicher und auf der Suche nach Liebe und Anerkennung.

Ich mag vor allem diese kleinen intimen Szenen, insbesondere zwischen den Freundinnen, wie jene in Staffel zwei Folge vier (Sorry, Mini-Spoiler): Jessa taucht bei Hannah auf, die in der Badewanne sitzt. Sie setzt sich mit ihr rein und beginnt, herzzerreißend zu weinen. Dann schneuzt sie sich in die Hand und taucht die Hand ins Badewasser. Hannah, die von sich selbst sagt, die pinkle immer rein, wenn sie bade, findet das grauslich. Und trotz des Dramas entwickelt sich Komik – über diese Nähe, über diese „sinnlosen“ Details.

Das ist für mich HBO, das Sich-Zeit-nehmen für Nebenbsächlichkeiten. Gerade diese Details machen „Girls“ halt auch rund und lebensnahe. Und deswegen fühle ich mehr mit als mit den Drama-Queens und -Kings in Formaten wie „Gossip Girl“.

Toll finde ich auch, wenn sie streiten. Etwa als sich Hannah und Marnie gegenseitig vorwerfen, egoistisch zu sein. Fast beneide ich die Mädels, dass sie so streiten können, sich gegenseitig Dinge an den Kopf werfen und trotzdem Freundinnen bleiben. Man muss sich der anderen sehr sicher sein, um so offen sein zu können. Und – auch das ist eines der Phänomene „meiner“ Generation – hier zeigt sich, dass Freundeskreise oft wie Familien funktionieren und fehlende Familienbande (Hannah hat z.B. keine Geschwister) ersetzen.

Ich würde jederzeit unterschreiben, was Hannah in Folge eins sagt: „I think i might be the voice of my generation. Or at least a voice of a generation.“

Ach ja, die Musik ist auch gut. Und in den USA läuft gerade Staffel zwei. Freu mich schon 🙂

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter hbo, Serien, TV abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu „Girls“ (HBO): Ja, die Serie ist tatsächlich so gut

  1. zuckerfrei schreibt:

    ich liebe die serie ja, und vor allem die erste staffel sollte man extrem genießen. die zweite ist zwar immer noch sau-gut, aber der zauber des neuen ist dann schon ein wenig verflogen.

  2. woesbeginnt schreibt:

    Hört sich interessant an. Danke. Werde ich sicher mal rein schauen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s